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"wissen sie, die letzten nächte waren... schwierig für mich, aus gründen, auf die wir nicht näher einzugehen brauchen. ich bin dreiundsechzig jahre alt, ich bin schauspieler, ich bin über dreitausendachthundert mal auf der bühne gestanden. meine frau ist nach einem schlaganfall halb gelähmt, meine frau war maskenbildnerin am theater, wissen sie, und wenn sie sie jetzt sehen könnte, sie würde die hände überm kopf zusammenschlagen und sagen, meine güte...
ich bin schauspieler, mein erstes engagement mit neunzehn jahren, und dann war ich zwanzig jahre lang hochschulprofessor, als lehrer habe ich durchaus einen namen, sie haben meine visitenkarte, ich stehe im telephonbuch. ich habe sechs operationen hinter mir, einen etwas steifen fuß, und im vierundsiebziger jahr habe ich mir hier einen tumor entfernen lassen, na, egal - aber jetzt bin ich beeindruckt. ich habe viele gesichter gesehen, ich bin vom fach, müssen sie wissen... wie alt, sagten sie, sind sie? zweiundzwanzig? meine güte. zweiundzwanzig, ich überfordere sie ja vollkommen. ich darf sie nicht so überfahren. sehen sie, ich habe ihnen etwas von meiner arbeit mitgebracht, meine arbeit, ja, ich bin pensioniert, ich war dramaturg. das ist für sie, das behalten sie bitte, nur das buch geben sie mir zurück. sehen sie, ich habe hier ein paar zeilen angestrichen, das sind diese feinen, präzisen bleistiftlininen, als bildende wissen sie, wovon ich spreche - nun, das habe ich gleich gesehen, aber von der ers-ten se-kun-de an, sie haben diese typologie, ich bin vom fach, ich kann das beurteilen. typologie, ja, den schädelbau einer sängerin. der professor x hätte sie sofort aufgenommen am konservatorium, aber sofort. - sehen sie, diese stelle, ich habe sie ihnen angestrichen, mit bleistift, das ist das, was ich vorhin, als sie mich so angeschaut haben... nun ich konnnte nicht umhin, es war einfach da. das ist die stelle, lesen sie es, sie müssen nicht das ganze buch lesen, aber diese szene, diese begegnung... da ist etwas passiert, das kann ich nicht, das ist rational nicht zu erklären. ich bin dreiundsechzig jahre alt, und ich kenne meine frau seit dreiunddreißig jahren, bitte, haben sie keine angst. wann haben sie luft? eine halbe stunde? wo können wir reden, muß das hier sein? wie lang geht ihr dienst? sehen sie, nehmen sie das, da haben sie ein papiersackerl, und hier ist ein plastiksackerl, vielleicht können sie das auch noch brauchen. ach, ich darf nicht... wann arbeiten sie wieder? ich danke ihnen für das gespräch, vielen dank, und alles gute. ich stehe im telephonbuch, auf wiedersehen."
8.6.06 00:35
 


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gidi (8.6.06 03:35)
Sexy.

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