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Eines Tages kam er nach Hause und fand im Postfach einen Brief, der nicht an ihn adressiert war. Er drehte ihn leicht verwirrt in den Händen – der Name auf der Vorderseite sagte ihm nichts, allerdings wohnte der Adressat in seiner Straße, nur ein oder zwei Türen weiter. Weißes Bütten und kein Absender, dafür eine adrette kleine Briefmarke mit einem Segelschiff darauf. Er kratzte sich am Kopf und nahm den Brief erstmal mit nach oben, um beim Abendessen zu überlegen, was er damit anstellen wollte.

Der Brief landet auf der Kredenz, die Nudeln im Salzwasser und der Angestellte vor dem Fernseher. Es wird ein seichter Krimi gezeigt, und der Angestellte hegt schläfrige Spekulationen über den Inhalt des Kuverts. Eine Rechnung oder dergleichen ist es bestimmt nicht, und auch keine Werbesendung; für ein gewöhnliches Billet ist er aber auch zu dick. Nein, bei seinem Fund scheint es sich um einen richtigen, mehrseitigen, womöglich sogar handgeschriebenen Brief zu handeln. Bevor er einnickt, denkt er noch „ein Anachronismus, sozusagen“, und ist ein bißchen stolz auf dieses Wort.

Den Brief wird er nicht an die richtige Adresse bringen, jedenfalls nicht so bald. Er wird eine Weile mit seiner guten Kinderstube ringen und ihn dann doch öffnen und lesen, von Neid und Neugier getrieben. Wer ihn geschrieben hat, wird immer unruhiger vom Warten auf Antwort, erleidet vielleicht einen Nervenzusammenbruch, während die Tage in aller Unschuld vergehen; oder aber ist beruhigt, daß die Sache nunmehr erledigt ist (wo doch der letzte Satz war, „Andernfalls laß von Dir hören“). Aber wenn der Erpresser die geforderten Dokumente nicht rechtzeitig bekommt, wird er seine Drohung dann wahrmachen? Damit ist nicht zu spaßen, konstatiert der Arzt gewichtig, rufen Sie mich bitte an, sobald man Ihnen die Befunde geschickt hat.
6.12.06 21:23


7.12.06 00:19


schönbrunn

man hat den statuen weiße säcke übergezogen, die ihre verrenkungen mehr schlecht als recht verhüllen: wie eine prozession verurteilter, von der niemand notiz nimmt, stehen sie da, einen strick um den hals, und warten auf den frost.
stattdessen kommt die dämmerung. jetzt, da ihr die abgeblühten rosen nichts mehr entgegenzusetzen haben als ihre trotzigen dornen, kommt sie jeden tag ein bißchen früher, wird immer mutiger.
hinter einem der steinpferde lugt ein junges paar hervor, aber keine sorge, von eurem flüstern hört man auch nicht mehr als von den vereinzelten stimmen auf dem kies oder dem vorwurfsvollen rascheln der papierengel...
8.12.06 21:39


9.12.06 18:36


I remember our first affair
all the pain
always rain
around my eyes
it'll never happen again
it'll never happen again

every time I leave you alone
I remember times
I couldn't come home
it'll never happen again
it'll never happen again

why can't you be
the way I want you to be?
why can't you see
you've got to change
and love me













(i want you. i want you. i want you so bad.)
17.12.06 23:25


- ja, ich hasse weihnachten, und nein, ein haufen betrunkener mittvierziger, die weihnachtslieder grölen und mit verkehrsschildern tanzen, macht nichts besser.

- ja, weihnachten deprimiert mich immer sehr. es tut mir leid, wenn ich dir die party ruiniert habe. du bist aber auch blöd, eigentlich.

- nein, es geht mir eigentlich überhaupt nicht gut. aber du hast ja nur angerufen, um dich zu melden. aha. ja. eh gut.
24.12.06 16:09


it's a cold and broken hallelujah.

460 000 Menschen (6 % der Wohnbevölkerung) in Österreich sind von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen, Frauen stärker als Männer. Ein Viertel der Armutsbevölkerung sind Kinder. Ihre Eltern sind zugewandert, erwerbslos, alleinerziehend oder haben Jobs, von denen sie nicht leben können.


Es ist heute wichtig, das Stück Rebellion, das in Weihnachten steckt, wieder zu entdecken. Gott wurde Macht von unten, und jener Gott, der nach dem Glauben der vorindustriellen Welt von oben lenkt und befiehlt, ist im Lauf der Geschichte immer mehr und mehr zurückgetreten. Er hat seine Sache dem Sohn anvertraut, und dieser Sohn hat allen Söhnen und Töchtern Mut zur Macht von unten gemacht. Eine der ältesten Weihnachtshymnen der Christinnen und Christen besingt diese Änderung aller Machtverhältnisse, die Weihnachten anfing und noch lange nicht zu Ende ist. Er heißt da bei Ignatius über Christi Geburt: „Ein Stern strahlte am Himmel über allen Sternen … So löste sich das Band der Zauberei, und die Fessel der Bosheit verschwand, die Unwissenheit wurde entmächtigt und die alte Herrschaft zerstört, als Gott in menschlicher Gestalt erschien, um das unsichtbare Leben zu erneuern.“ Noch ist wenig davon eingelöst, das Band der Zauberei bindet uns an den Konsum, den wir auf Befehl anderer selber herstellen und zu Nutzen anderer wieder verbrauchen sollen; die Fessel der Bosheit ist nicht verschwunden, sie produziert weiter Kriege und wachsende Unterdrückung; die Unwissenheit wird gerade in unserem Land gestützt und künstlich aufrechterhalten; dass die alte Herrschaft zerstört sei, das möchte ich wohl glauben, aber sehr sichtbar ist es noch nicht geworden. Bestehen bleibt das Versprechen von Weihnachten, dass Gott als Macht von unten in menschlicher Gestalt erschien, um das unsichtbare Leben zu erneuern.
(Dorothee Sölle 1970)
26.12.06 01:29





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