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alabama song

als sie seite an seite gläser und boden waschen, fragt die eine: was machen wir nachher noch? - irgendwas, hauptsache ohne alkohol, die andere. - ohje, hast du so ein arges wochenende gehabt? - naja... in meinem gedächtnis fehlen ein paar teile der letzten nacht, das beunruhigt mich etwas. - na, bei mir ist es auch wild zugegangen, von der hochzeit, auf der wir gespielt haben, hab ich dir ja noch gar nicht erzählt... nie wieder alkohol. - genau.
oh show us the way to the next whiskey bar,
oh, don't ask why. oh, don't ask why.
es ist eins. kathi, es ist ein uhr!! - ja, ich weiß. trinkma noch eins? - sowieso.
oh show us the way to the next pretty boy,
oh, don't ask why. oh, don't ask why.
was ist jetzt eigentlich mit diesem bassisten? - ja ich weiß auch nicht... - du hast ihn hoffentlich eingeladen zu eurem gig am samstag? - nein... - was? im lokal legst du flyer auf und ihm sagst du nichts?
oh show us the way to the next little dollar,
oh, don't ask why. oh, don't ask why.
so, aus, jetzt zahlma und gemma. - ja, jetzt gemma. ich hab morgen klavierstunde und nichts gelernt. - und ich malerei, was mach ich da bloß.
oh moon of alabama, it's time to say goodbye...
1.6.06 13:50


in ihre übermüdeten züge mischt sich plötzlich interesse, als sie zusieht, wie sich im abfluß ihr blut mit asche und spülmittelresten zu schmutzigrotem schaum mischt. es will gar nicht mehr aufhören, aber weh tut es trotzdem nicht. was soll man davon halten, fragt sie sich.
+
ein mann ruft eine frau an, weil er hofft, daß sie zeit für ihn hat. und sie hat zeit, und die beiden trinken milchkaffee miteinander, und wer sie so sieht, glaubt, daß sie einander schon lange kennen.
+
vor dem supermarkt kämpft ein junger mann mit seinem fahrrad, einem eierkarton und einem billigen blumenstrauß, nichts davon soll ihm entgleiten. als er es endlich geschafft hat, bleibt ein violetter nelkenkopf am boden zurück.
+
der taxifahrer unternimmt einen halbherzigen versuch, ein gespräch über das wetter anzufangen, und wie jedesmal fragt sie sich, warum, und pflichtet ihm wie jedesmal höflich bei, bevor sie beide wieder schweigend ihren eigenen gedanken nachhängen.
+
als sie die tür öffnet, sieht sie, daß es diesmal nicht die gesprächige hausmeisterin war, die sie geweckt hat, und auch nicht der herr vom bezirksgericht.
4.6.06 18:33


am rosenhügel

in der großzügigen eingangshalle mit den roten ledersofas, den freundlichen portieren und der cafeteria rechterhand kann sich der besucher des eindrucks nicht erwehren, daß es sich beim ziel seiner reise mehr um ein elegantes hotel handelt denn um eine klinik für kassenpatienten. man schickt ihn einen langen gang entlang, der von einer terrasse mit blick ins grüne beschlossen wird, und dem besucher mögen die drucke an den wänden auffallen und das freundliche nicken, mit dem ihm alle angestellten begegnen. in einer ecke stehen trainingsgeräte, ein schild weist den weg zur schwimmhalle, ein zweites den zur bibliothek, und durch das halb offene fenster dahinter dringt blätterrauschend und vogelzwitschernd der unstete frühling. erstaunt stellt man fest, daß das haus seinem einladenden namen weit weniger gerecht hätte werden können.
nur die menschen, die offenbar hier wohnen, haben etwas beunruhigendes an sich. alle paar schritte sieht man einen, wie er, seltsam schief in seinem rollstuhl sitzend und eine hand vor der brust angewinkelt, sich mit ungelenken, wiewohl geübt wirkenden tritten des anderen fußes vorwärts stemmt und erstaunt den blick hebt, um den besucher ins auge zu fassen. ob hier, wo jede bewegung soviel kraft kostet, daß man den korridor nur in zeitlupe entlangschleichen kann, auch die zeit selbst langsamer vergeht? oder muß man froh darüber sein, auf diese weise weniger davon zu haben? nach dem vierten oder fünften gelähmten, an dem er mit einer geradezu ungehörig wirkenden geschwindigkeit vorbeigeht, beginnt der besucher sich über die eigene größe zu wundern, sich fast zu schämen für die neu entdeckte symmetrie seines rückens.
und dort, ganz am ende des ganges, das richtige zimmer. wann immer man später die tür öffnet, sitzt davor ein alter mann schief in seinem rollstuhl und starrt mit großen augen hinein, gerade als wäre ihm mit dem interesse auch die höflichkeit abhandengekommen.
und dort, eine mutter mit ihrem sohn, der gerade alleine zu stehen lernt, zum zweiten oder dritten mal bereits.
und dort, mehr schmerz und hoffnung und mut und sinn als irgendwo sonst.
6.6.06 03:07


"wissen sie, die letzten nächte waren... schwierig für mich, aus gründen, auf die wir nicht näher einzugehen brauchen. ich bin dreiundsechzig jahre alt, ich bin schauspieler, ich bin über dreitausendachthundert mal auf der bühne gestanden. meine frau ist nach einem schlaganfall halb gelähmt, meine frau war maskenbildnerin am theater, wissen sie, und wenn sie sie jetzt sehen könnte, sie würde die hände überm kopf zusammenschlagen und sagen, meine güte...
ich bin schauspieler, mein erstes engagement mit neunzehn jahren, und dann war ich zwanzig jahre lang hochschulprofessor, als lehrer habe ich durchaus einen namen, sie haben meine visitenkarte, ich stehe im telephonbuch. ich habe sechs operationen hinter mir, einen etwas steifen fuß, und im vierundsiebziger jahr habe ich mir hier einen tumor entfernen lassen, na, egal - aber jetzt bin ich beeindruckt. ich habe viele gesichter gesehen, ich bin vom fach, müssen sie wissen... wie alt, sagten sie, sind sie? zweiundzwanzig? meine güte. zweiundzwanzig, ich überfordere sie ja vollkommen. ich darf sie nicht so überfahren. sehen sie, ich habe ihnen etwas von meiner arbeit mitgebracht, meine arbeit, ja, ich bin pensioniert, ich war dramaturg. das ist für sie, das behalten sie bitte, nur das buch geben sie mir zurück. sehen sie, ich habe hier ein paar zeilen angestrichen, das sind diese feinen, präzisen bleistiftlininen, als bildende wissen sie, wovon ich spreche - nun, das habe ich gleich gesehen, aber von der ers-ten se-kun-de an, sie haben diese typologie, ich bin vom fach, ich kann das beurteilen. typologie, ja, den schädelbau einer sängerin. der professor x hätte sie sofort aufgenommen am konservatorium, aber sofort. - sehen sie, diese stelle, ich habe sie ihnen angestrichen, mit bleistift, das ist das, was ich vorhin, als sie mich so angeschaut haben... nun ich konnnte nicht umhin, es war einfach da. das ist die stelle, lesen sie es, sie müssen nicht das ganze buch lesen, aber diese szene, diese begegnung... da ist etwas passiert, das kann ich nicht, das ist rational nicht zu erklären. ich bin dreiundsechzig jahre alt, und ich kenne meine frau seit dreiunddreißig jahren, bitte, haben sie keine angst. wann haben sie luft? eine halbe stunde? wo können wir reden, muß das hier sein? wie lang geht ihr dienst? sehen sie, nehmen sie das, da haben sie ein papiersackerl, und hier ist ein plastiksackerl, vielleicht können sie das auch noch brauchen. ach, ich darf nicht... wann arbeiten sie wieder? ich danke ihnen für das gespräch, vielen dank, und alles gute. ich stehe im telephonbuch, auf wiedersehen."
8.6.06 00:35


11.6.06 16:13


soyons désinvoltes
n'ayons l'air de rien
13.6.06 02:42


Rot grün gelb schwarz
rostbraun totrot
kohlrabenschwarz ist farbenfroh
funkelnagelneu ist nichts mehr
Ich habe mein Vokabelheft verloren
Wo ist der Schlüssel?
Wo ist mein Hut?

Ich gehe jetzt

Betonprosa oder Permafrost
Schmelzvorgänge oder nicht
Das déjà vu ist jetzt historisch
die Gemengelage wie gehabt
Ich blute
Irgendwas ist immer

Ich gehe jetzt

Kann mich an den Schnitt nicht mal erinnern
Ich gehe jetzt
Es wird wie’s war und wahr wird nichts
Fortuna ist in Geiselhaft
Herzsprung Kreuzstich
Luftveränderung
Schluß mit lustig und der Wegfahrsperre
für die Hoffnung und für mich

Ich gehe jetzt

Das Biest ist zwar noch nicht richtig wach
aber auch noch lange nicht hinüber
Grad erst hat es sich hin und her gewälzt
und im Schlaf mit den Zähnen geknirscht

Ich gehe jetzt

Nach mir die Flut
nach mir Tornados
nach mir Tsunamis & Säuberungen
nach mir die Härte
die Kälte die Dürre die Glut
mehr als je zuvor seitdem der Mensch denkt
Es wird Zeit
daß die Erde sich endlich verspinnt
sich verwandelt aus der Hülle sprengt
Ich gehe jetzt
Ich gehe jetzt
Ich gehe jetzt
15.6.06 13:30


finding it so hard

33 punkte auf der goldbergskala. das hatte ich nun wirklich nicht erwartet.
aber vermutlich erklärt das einiges...
- ja, wenn du denn daran glauben möchtest...
- glauben? ich weiß nicht. ich bin jedenfalls nicht suizidal!
- ja, ich weiß, das hast du ja auch angegeben. das ergebnis läßt sich offenbar nicht davon beeindrucken.
- nur, weil ich mich schlecht konzentrieren und nicht schlafen kann?
- und was ist mit den schuldgefühlen?
- nach gründen haben sie ja nicht gefragt. jedenfalls bin ich deswegen noch lang nicht depressiv. obsessive-compulsive, na gut, aber...
- du hast doch bloß angst um dein image.
- ach, laß mich in ruhe.

und jetzt hast du ihn endlich angerufen.
- ja. ich wünschte, ich hätte irgendetwas von belang sagen können.
- was hätte es denn noch zu sagen gegeben? was zählt, ist, daß du angerufen hast.
- ich weiß... aber trotzdem. das ist kein spaß.
- hat auch niemand behauptet.
- überhaupt... langsam krieg ich den eindruck, ich dringe zu überhaupt niemandem mehr durch. und zu mir schon sowieso niemand.
- war das nicht, was du wolltest?
- schon. ich weiß, ich weiß, die désinvolture ist nur einen wimpernschlag von der völligen leere entfernt. oder vom eingeständnis derselben.
- was willst du tun?
- wenn ich das wüßte. warten, was passiert, vermutlich... irgendwann muß man auch aufhören, veränderungen zu forcieren, die kommen früh genug von selbst.
- unzufrieden mit den bisherigen?
- nein. eigentlich wundere ich mich, wie gut alles funktioniert in der hinsicht. ich hätte nicht gedacht, daß das so leicht geht, und so gut.
- hast du es dir anders überlegt?
- nein. nein, ich bin sehr zufrieden so.
- goldberg sieht das offenbar anders...
- ach, verzieh dich.
15.6.06 23:20


ich will ans meer.
16.6.06 22:11


so, du meinst also, ein weblog dürfe nur für die unangenehmeren launen herhalten. aber ich durfte heute unseren osmanischen brüdern beim armdrücken zusehen, bis ihnen die adern fast platzten, während ihre kleinen cousins johlend im kreis hüpften, hören, wie jemand "ein korrektes kebab mit viel fleisch, mann" bestellt, fröhliche geschichten lesen, gästelisten-plätze angeboten bekommen und noch immer müde vom tanzen sein. es wird schon, der sommer bahnt sich seinen weg.
19.6.06 01:49


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